Jedes Milanetti erzählt eine Geschichte

 

Ein Junge kam nach Sanremo zum ersten Mal mit seinem Vater. Lässig sitzt der Zwölfjährige auf dem Oberrohr seines ersten Rennrades, eines Milanetti-Rades und schaut den Radsportlern zu: Fasziniert von ihren eleganten Rennmaschinen, dem feinen Surren der Ketten, dem Blitzen der Sonne, den Rufen der Zuschauer. Um ihn herum die milde Luft, voll vom Duft der Pinien und dem Ziepen der Zikaden.

 

Als Erwachsener wird er diesen Granfondo selbst gewinnen. Es sind jene 290 Kilometer von Mailand durch die Po-Ebene, über den ligurischen Ausläufer der Alpen, entlang der kurvigen Küstenstraße und über die letzten Anstiege bei Cipressa und hinauf zum Poggio.

 

 

 

Er lässt Milanetti wieder aufleben

 

Heute baut er selbst Rennräder und lässt die Marke Milanetti wieder aufleben. Kein Milanetti gleicht dem anderen. Denn jedes wird nach den Wünschen seines Fahrers gefertigt. Der Rahmen entsteht in Bassano del Grappa, einer kleinen Stadt am Rand der Alpen, wo die Menschen mit einem Gläschen Grappa auf der Brücke über die Brenta stehen, ihre Freunde treffen und von ihren Nachbarn gesehen werden. Hier betreibt Diego eine Manufaktur. Er hat den Rahmenbau bei Colnago gelernt und ist selbst zum Meister geworden. Und er lebt sein Handwerk. Aus schwarzem Carbon entsteht ein Kunstwerk: Die unscheinbaren Rohre werden zu einem eleganten Rahmen, dem leichten und zugleich festen Herz einer Maschine, die Kraft in Geschwindigkeit verwandelt.

 

 

 

Von der Freiheit langer Ausfahrten

 

Jedes Milanetti erzählt eine Geschichte:  Von der Sehnsucht eines zwölfjährigen Jungen, von der Freiheit langer Ausfahrten und gewundenen Passstraßen. Von den Schmerzen steiler Anstiege, die das Denken beruhigen. Von der einsamen Passhöhe kurz nach Sonnenaufgang.  Von der gelösten Stimmung in dem Café jenes Bergdorfes, wo es den ersten Cappuccino und ein warmes Cornetto gibt. Von dem Brunnen auf der kleinen Piazza, an dem Wasserflaschen gefüllt werden für den nächsten Anstieg. Von dem Glück eines Paares, das am Straßenrand sitzt, zwei Rennräder an die Hauswand gelehnt. Ein Milanetti erzählt von der Sehnsucht eines Radsportlers.